Hier könnt Ihr erfahren, wie ich meine MUNDHARMONIKAS in Schuß halte.

In der Regel zählen dazu das Stimmen und Reinigen, von Zeit zu Zeit allerdings auch das Austauschen einzelner Stimmzungen.

Harps sollte man nach Möglichkeit öfters mal reinigen. Es ist schon erstaunlich (und nicht gerade besonders appetittlich), was sich in so nem Teil alles ansammeln kann... Die Fischsuppe vom letzten Catering, Szaziki samt Gyros vom Hüngerchen bei der letzten Probe und im übelsten Fall hat man vor dem Spielen ein Schniggers gegessen (Nußstückchen zwischen den Reeds verklemmt und eine Flutwelle Lülle durch die ganze Schokolade - das Ganze dann mit Karamell-Pampe zusammengebacken...). Weitere Einzelheiten will ich Euch hier ersparen...

Ich gehe beim Reinigen so vor: Zunächst werden die Harps komplett zerlegt. Die Stimmplatten reinige ich im Ultraschallbad, als Reinigungs-Suppe kommt Wasser mit einem Spritzer Spüli sowie ein bißchen Backpulver zum Einsatz. Das Backpulver reinigt sehr zuverlässig und entfernt Oxidschichten auf der Oberfläche der Reeds. Dadurch wird auch der Klang wieder besser.
Den Kanzellenkörper reinige ich meistens auch im Ultraschallbad - oft aber auch mit einer alten Zahnbürste unter fließendem Wasser. Wichtig: Das gilt nur für Alu- oder Plastikkörper! Holzkörper quillen im Wasser auf, dadurch werden die Harps zwar kurzfristig eventuell noch etwas luftdichter, langfristig gehen sie davon allerdings kaputt.

Die Deckel reinige ich meistens einfach mit Wasser und Spüli unter fließendem Wasser.

Ein gängiges Problem sind angerissene Stimmzungen (Reeds). Dies ist ganz normaler Verschleiß und Materialermüdung. Allerdings passiert das eben schon häufiger, wenn man die Harps „ordentlich rannimmt“ (z.B. viele Bendings, starkes Vibrato etc) als wenn man nur leise Blowing-in-the-Wind´s darauf bläst. Und eine Harp nur wegen einem defekten Ton wegzuschmeißen ist auch keine Lösung, vor allem wenn es sich um hochwertige Instrumente handelt.
Üblicherweise brechen die Reeds am „Zungenfuß“, also unmittelbar dort, wo der Übergang zwischen dünnem Teil und breiterem Teil (mit Niet) ist. Eine angerissene Zunge erkennt man daran, daß sich der Ton innerhalb recht kurzer Zeit ziemlich drastisch nach unten verstimmt. In dem Fall hilft dann auch Nachstimmen nicht mehr, der Riß geht weiter und im übelsten Fall kann die Zunge abreißen und einem im Hals stecken bleiben. Daher muß die Reed raus und durch eine Neue ersetzt werden. Ansonsten ist die Stimmplatte futsch.

Zum Austauschen der Reeds wird zunächst mit Hilfe einer Feile und einer Spezialzange der alte Niet entfernt und so die defekte Zunge ausgebaut. Nun wird in die Stimmplatte ein kleines Gewinde geschnitten und eine minikleine Schraube als Gewindebolzen in die Stimmplatte eingesetzt. Auf dieser kann die neue Stimmzunge nun mit einer Mini-Mutter neu verschraubt, zentriert, gelöst und schließlich gestimmt werden. Das Ganze klingt unglaublich fummelig, ist es auch. Aber mit ein wenig Übung ist das irgendwann reine Routine und geht recht problemlos.
Nach durchgeführter Reparatur sieht das Ganze dann so aus:
harp_mutter

Man kann auch Stimmzungen um einen größeren Betrag (1 - 3 Halbtöne) nach unten verstimmen. Dies kann z.B. fällig werden, wenn man eine passende Ersatzzunge da hat, die aber auf einen zu hohen Ton gestimmt ist. Oder bei Sonderstimmungen. Normalerweise wär man durch die Zunge durch, wenn man soviel Material am Zungenfuß wegschleift. Und falls man doch nicht durch wäre, würde ein so drastischer Eingriff eine extreme Sollbruchstelle bedeuten und ein sehr baldiger Riß an dieser Stelle wäre bereits vorprogrammiert. Daher erhöht man in einem solchen Fall besser die Masse der Stimmzunge. Meine Versuche, dies durch den Auftrag von Nagellack zu erreichen sind leider gescheitert. Die Masse von dem Lack ist zu gering, es dauert lange, bis alles Lösungsmittel verdampft ist und damit die Stimmung stabil bleibt und das Zeugs hält auch nicht besonders. Außerdem wirkt sich ein flächenmäßig zu großer Auftrag arg dämpfend auf die Stimmzunge aus und klingt daher nicht. Deutlich besser ist daher der gezielte Auftrag von einem kleinen Lötzinnpunkt. Logischerweise muß man dabei sehr vorsichtig vorgehen, und es ist definitiv nicht der beste Ort, um Löten zu lernen.
Anschließend läßt sich die Zunge dann wieder prima stimmen und danach sieht das dann so aus:
harp_reed

Noch ein guter Tip ist: Vor dem Harp-Spielen die Zähne putzen! Vor allem, wenn man (was ja leider öfters vorkommt) mal wieder direkt vor dem Gig noch was gefuttert hat! Aus diesem Grund hab ich immer eine kleine Reisezahnbürste in meiner Harp-Tasche (nein, das ist KEIN Sex-Spielzeug!!).