Auf dieser Seite möchte ich Euch einige Einblicke und Infos über die Restaurationsarbeiten an dem vielleicht schönsten Instrument zeigen, an dem ich bisher zu tun hatte:

Norbert´s HAMMOND B-3 sowie die zugehörigen LESLIE-CABINETS aus dem Jahre 1955.

die_patientin

Diese Orgel ist wirklich, man verzeihe mir an dieser Stelle meine Ausdrucksweise, der pure Sex.
Es ist nicht nur der großartige Sound dieses wunderschönen Instrumentes, sondern ebenso die Haptik, also Bakelit-Zugriegel und Tasten, wunderschönes gealtertes Holz das die Spuren unzähliger Konzerte trägt sowie eben auch die Tatsache, daß es sich bei dieser Orgel um „the real thing“ handelt.

the_beauty_in_the_b holz_und_bakelit

Allerdings gab es bezüglich der Performance einige Schwierigkeiten:
Die Orgel machte ordentlich Störgeräusche, rauschte, brummte und neulich fing sie während einem Konzert bedrohlich an „nach Strom zu riechen“... Offensichtlich hatte Martin Scholz einfach mal wieder zu heiß gespielt :-)
Außerdem bestanden offensichtlich Kontaktprobleme an verschiedenen Stellen, so gab es immer mal wieder Aussetzer oder der Pegel fiel direkt vor dem Orgel-Solo plötzlich rapide ab. Also irgendwie ein unschöner Zustand.

Bei der Restauration eines solchen Instrumentes kommt man immer wieder an den Punkt, wo man sich entscheiden muß, ob unter´m Strich maximale Originalität (zwecks Werterhalt / „unverbastelter Zustand“) oder eben maximale Performance und damit verläßlicher und sicherer Betrieb gewünscht wird. Da diese B-3 auf vielen Konzerten eingesetzt wird und wir auch der Meinung sind, daß nur eine funktionierende Orgel auch wirklich eine gute Orgel ist haben wir uns für eine umfangreiche Restaurierung des originalen, alten AO-28 Vorverstärkers entschieden. Dies bedeutete:
- komplettes Recapping aller Elkos
- Austausch sämtlicher Kohlepreßwiderstände gegen deutlich stabilere und rauschärmere Metallfilmwiderstände
- komplette Erneuerung aller Röhren
- Beseitigung diverser Kontaktschwierigkeiten, umfangreiche Reinigung

hammond_loeten ausbau_amp

Nach stundenlanger Löterei wird´s dann immer spannend, wenn das Gerät wieder in Betrieb genommen wird... Hat sich die Arbeit gelohnt? Klingt das Instrument besser? Sind die Fehler behoben? Brennt die Wohnung ab?
Nun, unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht!! Die Reparatur war auf der ganzen Länge erfolgreich, der Amp funzt wieder wie am ersten Tag und die Orgel klingt sagenhaft und röhrt, daß sich alle Hirsche verschämt im Wald verstecken! Nebenbei sind alle Störgeräusche wie Rauschen und Brummen beseitigt! Fabio hat die alten Bauteile dann auch noch zu einem schönen Kunstwerk weiterveredelt!
Übrigens ist es kaum verwunderlich, daß das Instrument vorher Zicken machte, wenn man bedenkt, daß einige der alten Kohlepreßwiderstände um mehr als 100% vom Sollwert abwichen...

amp_funktioniert_wieder

fabios_kunst


Und dann stand ja auch noch die Wartung des 222-Leslie´s an.
Überraschenderweise haben wir festgestellt, daß der Verstärker kein Originalteil aus den 50ern war, sondern offensichtlich ein recht neuwertiger Austausch-Amp.

Dieser Verstärker hat neue Röhren sowie eine gründliche Reinigung aller Kontakte bekommen. Danach zeigte er im Testlauf sofort wieder eine einwandfreie Funktion.

testlauf

Nach der Überholung des Leslie-Amps wurden noch einige defekte Lager der Trommeln ausgewechselt, und nun funktioniert auch das Leslie wieder einwandfrei.

Über weitere Arbeiten an dieser Orgel, wie z.B. Reinigung der Zugriegel werde ich hier demnächst berichten!


Wer die Orgel einmal live im Einsatz erleben möchte, dem möchte ich die entsprechenden Konzerte (am besten die mit Organisten!!) in der Kornbrennerei Bröleck empfehlen!!

Ach so ja: Jeder Diebstahlveruch ist zwecklos, da die Orgel 3 Tonnen wiegt und Mimi saumäßig scharfe Zähne hat...