Meinen MESA BOOGIE MK II habe ich auf „Adjusteable Bias“ umgerüstet.

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Mesa vertritt ja die Idee, daß bei Röhrenendstufen der Ruhestrom durch Festwiderstände eingestellt werden sollte. Aus verschiedenen angeblichen Gründen.
Ich bin da allerdings anderer Meinung. Vermutlich ist der Hauptgrund von Seiten Mesas derjenige, eigene Röhren zu vertikken...

Justierbaren Ruhestrom der Endstufe im Amp zu haben hat allerdings einige entscheidende Vorteile:

  • Zunächst mal ist da die Möglichkeit zu erwähnen, verschiedene Röhrentypen auszuprobieren, und den Bias stets vernünftig einzustellen.
  • Außerdem kann die Situation eintreten, daß sich auf Tour eine Röhre verabschiedet, und man zwar Ersatzröhren auftreiben kann, aber eben keine selektierten Mesa-Röhren. In so einem Fall sollte man den Amp einmessen können, und zwar am besten ohne einen Lötkolben griffbereit zu haben.
  • Dann verändern Röhren beim Altern ihre Eigenschaften und es ist durchaus sinnvoll, den Ruhestrom eines Röhrenamps von Zeit zu Zeit zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren.

Der klare Vorteil von „Fixed Bias“ ist, daß sich eigentlich kaum etwas von selbst verstellen kann, da die eingelöteten Widerstände sich nicht einfach, z.B. durch Vibrationen, verdrehen können. Bei einem robusten Spindeltrimmer ist das allerdings wohl auch kaum eine Gefahr.

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Das Besondere an der Simul Class Endstufe ist, daß sie mit 2 Röhrenpaaren arbeitet, die beide einen anderen Arbeitspunkt besitzen. Ein Paar arbeitet ständig im Class A-Betrieb (15W), das andere Paar ist abschaltbar und liefert im Class AB-Betrieb 60W Leistung. Somit ist die Endstufe umschaltbar zwischen 15W-A-Betrieb oder 75W-Simul-Class Betrieb.

Das Problem ist nun, daß man den Amp (und nicht nur das Netzteil) eigentlich komplett umstricken müßte, wenn man beide Gittervorspannungen (und damit beide Arbeitspunkte) separat einstellbar machen wollte. Ich wollte diesen Amp allerdings soweit wie möglich original lassen; Ziel war, ihn später einmal problemlos wieder in den Originalzustand rückbauen zu können, ohne daß größere Spuren dieser Modifikation übrig bleiben. Man kennt ja das Problem: Heute ärgert man sich vielleicht über etwas, daß man vor 20 Jahren „verbastelt“ hat, und das im Originalzustand sonst heute vielleicht ein echtes Schätzchen wäre...

Allerdings hat sich dann in der Praxis herausgestellt, daß es auch bei dieser Simul-Class Endstufe (zumindest mit den von mir zur Zeit verwendeten gematchten 5881-Rohren) bisher kein Problem war, durch einfaches Schrauben an der Gittervorspannung des Netzteils beide Röhrenpaare auf einen vernünftigen Arbeitspunkt zu legen. Insofern war die Modifikation letzten Endes simpel: Es wurde lediglich der Festwiderstand (den Mesa auch zum Abgleichen der Amps verwendet) gegen einen passenden Trimmer mit Serienwiderstand getauscht. Zum Einsatz kam ein hochwertiger, MIL-spezifizierter Spindeltrimmer mit passender Halterung für Lochmontage (siehe Foto oben). Als einzigen Ort für die Unterbrigung dieses Trimmers bot sich der Bereich unterhalb der Netzkabeldurchführung an - alle anderen Bereiche sind entweder innen mit Platinen vollgestopft oder bereits durch andere Dinge wie Buchsen, Typenschilder oder Potiknöpfe belegt oder wären im Betrieb von außen praktisch nicht zugänglich.

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Hier läßt sich der Ruhestrom nun perfekt von außen einstellen, und wenn ich diese Modifikation wirklich mal wieder ausbauen möchte, bleibt als Erinnerung daran lediglich ein kleines Löchlein von 5mm Durchmesser im Chassis.